Naturschutzgebiet Burstel

Interaktives Schutzgebiet Burstel

Ein Schutzgebiet, vier Standorte – und viele Möglichkeiten: Im Naturschutzgebiet Burstel bietet sich für Pro Natura Thurgau die Gelegenheit, langfristige Veränderungen vorzunehmen. Welche das sein sollen, wollen wir nicht allein entscheiden. Wir wollen auch Ihre Meinung wissen.

Das Waldgebiet Burstel soll mittelfristig in ein Wildnisgebiet überführt werden, in dem menschliche Eingriffe auf ein Minimum reduziert werden. Bevor Pro Natura diesen Wald erwarb, waren grosse Teile des Waldes forstwirtschaftliche Produktionsfläche. Bei der Transformation zum Wildnisgebiet können unterschiedliche Strategien gefahren werden, wobei gewisse Prozesse beschleunigt oder gehemmt werden. Wo längerfristig gleichwertige Möglichkeiten zur Verfügung stehen, können Sie sich beteiligen und darüber abstimmen, welche Massnahme wir umsetzen sollen.

Übersichtskarte

Ein Teil der Parzelle ist eine Altholzinsel, in dem bereits heute keine Eingriffe durchgeführt werden dürfen. An anderer Stelle dient der Wald als Schutzwald, wodurch gewisse Eingriffe für eine permanente Durchwurzelung des Bodens unumgänglich sind.

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Zusätzliche Informationen zu den Standorten

Jungholz-Standort

Biodiversitätsfördermassnahmen vs. keine Eingriffe

Bei der Transformation des ursprünglichen Wirtschaftswaldes in ein Wildnisgebiet können initiative Eingriffe längerfristig für eine höhere Baumartenvielfalt sorgen. Dadurch entstehen zusätzliche Lebensräume, was zu einer allgemeinen Steigerung der Biodiversität führt. Kurzfristig bedeuten solche Eingriffe einen Verlust von Lebensräumen, da Bäume gezielt entfernt oder als Totholz im Wald belassen werden, wobei sie wiederum einen neuen Lebensraum bilden. Eingriffe gehen immer auch mit Störungen beispielsweise durch Lärmemissionen einher, wodurch Tiere aufgeschreckt und verjagt werden.

Douglasien-Standort

Douglasien (Pseudotsuga menziesii)

Obschon die Gattung der Douglasien während des Tertiärs (66 – 2.6 Millionen Jahre vor unserer Zeit) in Europa natürlich vorkam, wurde sie während dem Quartären Eiszeitalter komplett verdrängt und erst 1827 von David Douglas aus Nordamerika wieder nach Europa importiert. Daher gilt die Douglasie in Europa als Neophyt. Da die Douglasie trockenheitsresistenter als die einheimische Fichte ist, gilt sie für die Forstwirtschaft als wichtiger Hoffnungsträger, weil sie unter den durch den menschgemachten Klimawandel ändernden Bedingungen besser gedeiht als die Fichte. Der Einfluss der Douglasie auf die einheimische Biodiversität manifestiert sich zum einen darin, dass sie Veränderungen in der Artenzusammensetzung bei Gliederfüsslern (Insekten, Spinnen etc.) bewirkt, was eine Veränderung der Nahrungskette nach sich zieht. Zum anderen verschiebt sich die Artenzusammensetzung beispielsweise bei der Pilzflora von spezialisierten Arten, die nur unter spezifischen Bedingungen oder auf spezifischen Gehölzen wachsen, hin zu Generalisten, wodurch der ökologische Wert des Gebietes gesenkt wird.

Holzmarkt – Holzschlag

Bei gewissen Eingriffen im Wald, beispielsweise bei der gezielten Förderung bestimmter Baumarten durch das Entfernen von konkurrenzstärkeren Bäumen im Umfeld oder beim Ersetzen von Fichten- oder Douglasienbeständen durch ökologisch wertvollere Laubbäume, werden Bäume gefällt. Die Einen bieten als Totholz einen Lebensraum für allerhand Insekten, Pilze aber auch Hermeline oder Spechte und werden daher im Wald belassen. Andere werden entfernt und verkauft, sodass ihr Holz als wertvoller Rohstoff in der Region weiterverarbeitet werden kann. Der dadurch erzielte Erlös wird in weitere Massnahmen zur Förderung der Biodiversität eingesetzt werden. Die monetären Interessen sind aber stets zweitrangig, im Vordergrund stehen die Bedürfnisse der Natur.

Wenn Eingriffe zur Förderung der Biodiversität längerfristig positive Effekte für die Artenzusammensetzung erzielen, so bedeutet der Eingriff an sich eine schlagartige Störung des gegenwärtigen Zustandes, der ebenfalls ein Lebensraum darstellt.

Erosionsstandort

Erosion als Lebensraum

In einem stabilen Umfeld ohne Störungen setzt sich über kurz oder lang eine kleine Anzahl an Arten, nämlich die, die an die gegebenen Umstände am besten angepasst sind, durch. In einem natürlichen Umfeld schaffen unterschiedlichste Störungen stetig neue Lebensräume, die neu besiedelt werden können. An den offenen Standorten wachsen zuerst sogenannte Pionierpflanzen, diese bilden eine Kraut- und Grasflurvegetation. Ohne neuerliche Störung wird diese bald von einer Strauchvegetation überwachsen, bis schliesslich Bäume wieder ein geschlossenes Blätterdach bilden. Durch diesen Prozess (Sukzession) dienen natürliche Störungen der Artenvielfalt. Solche Störungen reichen von Schäden durch Wildtiere über Stürme, Überschwemmungen und Waldbrände bis hin zur Erosion.

Wo menschliche Infrastruktur in der Nähe ist, wird die Erosion häufig auf ein Minimum reduziert, indem Bäume ein solides Wurzelwerk bilden und das Wasser in künstlichen Kanälen abgeleitet wird. Durch diese Massnahmen verschwinden viele Kleinstlebensräume und die Biodiversität nimmt stark ab.

Quellen als Lebensraum

Quellen bilden für eine Vielzahl spezialisierter Lebewesen einen spezifischen Lebensraum zwischen Grundwasser und Oberflächenwasser. Dabei sind konstante Temperaturen sowie Sauerstoff- und Nährstoffarmut des Quellwassers zentrale Voraussetzungen für die Quellfauna und -flora. Durch Quellfassungen zur Trinkwassernutzung oder Urbarmachung des Umlandes sind viele Quelllebensräume verloren gegangen, zudem werden viele Quellen von künstlichen Verbauungen beeinträchtigt. So bilden künstliche Abstürze oder Verrohrungen unpassierbare Hindernisse für die quellbewohnende Arten.

Tümpelstandort

Wandern im Schutzgebiet

Artenreiche Gebiete üben zurecht eine Anziehung auf ein breites Publikum aus. Nichtsdestotrotz kann die menschliche Präsenz in Schutzgebieten direkte und indirekte negative Auswirkungen auf das Umfeld haben. Tiere werden aufgeschreckt, Pflanzen zertrampelt, Abfälle und Fäkalien landen im Schutzgebiet. Sportliche Aktivitäten wie Mountainbiken oder Reiten verstärken den Stress der Wildtiere. Mit dem Mensch kommen auch die Hunde in die Schutzgebiete, vor allem unangeleinte Hunde können beispielsweise bodenbrütende Vögel dauerhaft aus einem Gebiet vertreiben. Bei einfach zugänglichen Gewässerstandorten werden regelmässig Goldfische ausgesetzt, diese reduzieren den Reproduktionserfolg von Insekten und Amphibien enorm.

Kleingedrucktes

Die Umsetzungen der gewünschten Massnahmen finden immer im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten statt, so müssen beispielsweise auf der Fläche, die innerhalb des Schutzwald-Perimeters ist, die angestrebten Massnahmen mit den Richtlinien zum Schutzwald vom Bund und des Kantons Thurgau vereinbar sein.

Pro Natura hält sich frei gewisse Massnahmen, wie beispielsweise das Verhindern der Ausbreitung von invasiven Neophyten, unabhängig von den Resultaten der Umfragen weiterhin durchzuführen.

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