Naturschutzgebiet Lengwiler Weiher

Kaum zwei Kilometer südöstlich des Zentrums von Kreuzlingen liegt eines der grössten Schutzgebiete von Pro Natura Thurgau. Die Verschiedenartigkeit der Weiher, die grossen, von Bachläufen durchzogenen Wälder der Umgebung, die Flachmoore, die verkehrsfreie, ruhige Lage und eine sorgfältige Pflege tragen dazu bei, dass das Schutzgebiet Lengwiler Weiher ausserordentlich artenreich ist.
 

Selten gewordene Amphibienarten wie der Kammmolch oder der Fadenmolch bewohnen die Tümpel im Naturschutzgebiet. Damit sich die seltenen Bewohner weiterhin wohlfühlen, werden von Zeit zu Zeit neue Tümpel geschaffen oder alte in einen Zustand rückversetzt, der diesen Arten entgegen kommt. Von diesen Massnahmen profitieren aber nicht nur die Amphibien, auch äusserst seltene Libellen sind auf die seichten Gewässer angewiesen.

Am Lengwiler Weiher besiedeln gleich zwei unscheinbare Kleinlibellen die kleinen Tümpel, die schweizweit vom Aussterben bedroht sind - in der Roten Liste der gefährdeten Arten also den zweithöchsten Status einnehmen.

Daneben kommt im Übergangsbereich der Feuchtwiesen zum lichten, natürlichen Laubmischwald eine ebenso geheimnisvolle wie seltsame Schneckenart vor, die mit dem Gefährdungs-Status "stark gefährdet" ebenfalls weit oben auf der Liste der besonders schützenswerten Tiere und Pflanzen steht.

 

Von den zahlreichen Vogelarten der Lengwiler Weiher finden wohl die eleganten Fluss-Seeschwalben besondere Beachtung. Je nach Jahr brüten auf den Nistflossen im Grossweiher über 70 Paare. Es ist dies die zweitgrösste Brutkolonie in der Schweiz. Zudem stellte eine der Lengwiler Weiher Flussseeschwalben 2010 einen Rekord als Langstreckenzieher auf. Ein Jungtier, das im Juni 2008 am Lengwiler Weiher beringt wurde, konnte im März 2010 von einem Ornithologen in Swakopmund (Namibia) regstriert werden. Betrachtet man die Luflinie zwischen den beiden Orten, liegt eine Distanz von 7'822 km dazwischen.

 

Beobachtungen am Lengwiler Weiher

Der Gross-, der Pfaffen- und der Neuweiher sind künstlich aufgestaut. Die Reichenauer und später die Kreuzlinger Mönche züchteten hier ihre Karpfen. Vom Spätmittelalter bis Mitte des 20. Jahrhunderts nutzte Kreuzlingen die Weiher als Wasserspeicher für eine Mühle. Der Plan, die Weiher als Abfallgrube zu verwenden, wurde in letzter Sekunde vereitelt ...
Und führte schliesslich dazu, dass Pro Natura Thurgau (damals Thurgauer Naturschutzbund) mit Hilfe des Kantons, des Bundes und der Stadt Kreuzlingen dieses einmalig schöne Naherholungs- und Naturschutzgebiet erwerben konnte: 1970 den Pfaffen- und Neuweiher, 1980 den Grossweiher.

Umweltbildung am Lengwiler Weiher

Mitten im Schutzgebiet steht die Pro Natura-Hütte. Die Hütte dient Pro Natura Thurgau als Ausgangsbasis für Aktivitäten im Gebiet und ermöglicht Naturkunde vor Ort: Weiher, Moore, Feuchtwiesen, die Wälder, Bachläufe und Tümpel werden hier zum lebendigen Klassenzimmer.

 

Unser Angebot an Schulkassen oder andere interessierte Gruppen wird unter "Natur erleben" näher vorgestellt.